Der große Blogschreiber bin ich ja offensichtlich nicht, aber zum Leistungsschutzrecht will ich doch mal meine Meinung loswerden.

Was ist das überhaupt?

Journalisten schreiben Artikel und besitzen automatisch das Urheberrecht darin. Das heißt nur sie können bestimmen wer ihre Artikel verwerten kann. Dabei können sie ihre Artikel an mehrere Verlage verkaufen oder nur ein einen Verlag. Die Verlage veröffentlichen die Artikel und versuchen damit Geld zu verdienen. Sollte ein anderer als die berechtigten Verlage oder der Autor den kompletten Artikel online stellen, kann man dagegen gerichtlich vorgehen.

Erlaubt ist die Übernahme von Artikeltiteln und so genannten “Snippets” (Textauszügen). Diese sieht man zum Beispiel, wenn man bei Google nach einem Begriff sucht. Das Problem, dass die Verlage jetzt entdeckt haben, ist das Newsaggregatoren ihre Artikel gezielt aufnehmen und darstellen. Das schlimmste: Dabei verdienen sie Geld, dass die Verlage nicht bekommen. In den Augen der Verlage sind sie die letzte Bastion der Informationsgüte im Meer des Informationsmeers des Internets. Nur sie fassen intelligent die Informationen zusammen indem sie die Journalisten einstellen beziehungsweise bezahlen.

Aus diesem Grund wollen die Verlage das Leistungsschutzrecht für ihre Artikel durchsetzen. Dieses Recht sieht vor, das die Erzeugnisse, die die Verlage online stellen nur von ihnen zur Geldschöpfung genutzt werden dürfen. Das Leistungsschutzrecht besteht bereits für Filmstudios und Musikverlage. Wie diese wollen auch die Verlage nun Beiträge ähnlich der GEMA-Gebühren erhalten von Firmen oder Benutzern, die ihre Inhalt zur Geldschöpfung verwenden. Betreffen würden diese Abgabe wohl die Aggregatoren und Journalisten, die andere Artikel verwenden zur Recherche.

Was daran nicht stimmt?

Zum einen sind nicht nur die Verlage die Leute, die Informationsflut zu dämmen. Nein auch diese Aggregatoren schaffen es gerade. Dabei ist das Argument, das Leute nur die Snippets lesen und nie die Artikel falsch. Wenn es nicht interessiert, wird es nicht lesen, aber der hätte auch nie den Artikel gelesen. Leute, die es interessiert werden die kompletten Artikel lesen, die sie alleine wahrscheinlich nie gefunden hätten. Den Verlagen gehen also keine Gelder oder Leser verloren, sie bekommen eher welche hinzu.

Die Verlage stellen die Artikel kostenlos und öffentlich online. Die Dienste verwenden die kostenlose, öffentlichen Artikel um Titel und Snippets für ihre Kunden zu verwenden. Das ist dabei nicht illegal, da die kurzen Textausschnitte nicht als schöpferische Leistung anerkannt sind. Falls die Verlage etwas dagegen haben, könnten sie doch ihre Seite nicht öffentlich machen, sodass nur angemeldete Benutzer darauf zugreifen können. Dabei können sie AGBs verwenden, die das Verwenden der nicht-öffentlichen Artikel in Form von Snippets und Titel verbieten. Sollte diese nun doch auf anderen Seiten erscheinen, können sie rechtlich dagegen vorgehen. Wenn die Verlage zusätzlich Geld daraus ziehen wollen, können sie ein Abomodell oder ähnliches hinzufügen. All diese Möglichkeiten hätten sie, aber sie wollen dennoch lieber den Statt bemühen und sich ihr Geld von fremder Hand eintreiben lassen. Dabei werden sicherlich auch viele freie Journalisten getroffen, die keine Informationen aus den Artikel der großen Verlage beziehen. Man kann nicht von Fairness reden in solch einem Gebührenmodell.

Nachträgliches Zitat Keine Sympathien für ein Leistungsschutzrecht:

Erstens gibt es bereits ein Gesetz, das die Urheberrechte schützt. Zweitens kann jeder Verleger seine Informationsangebote sichern, indem er diese nicht gratis ins Internet stellt. Drittens ist niemand verpflichtet, seine Texte durch die Suchmaschine von Google – der derzeitige Hauptfeind der Verlage – erfassen zu lassen. Viertens kann derjenige, der seine Produkte gebührenfrei ins Internet stellt, den freien Fluss dieses digitalen Marktes nicht verbieten. Und fünftens lauert hinter einem Leistungsschutzrecht, das mehr oder weniger versteckt die Forderung nach einem Gebührenerhebungssystem impliziert, ein grenzüberschreitendes bürokratisches Monster. Nicht zuletzt wäre es schwierig, die Leistungen der klassischen Medienhäuser von jener anderer Akteure des Informationssektors (etwa Blogger) abzugrenzen.

Was kann man tun?

Das ist eine gute Frage, die ich mir selbst noch nicht beantworten kann. Der erste Schritt sollte sein das Thema überhaupt in die Öffentlichkeit zu tragen. Politiker und Verlagslobbyisten arbeiten schon kräftig an der Einführung des Leistungsschutzrechts. Sollte das konkret werden, sollten die Bürger auf die Straßen gehen, bevor es zu spät ist

Artikel:

Keine Sympathien für ein Leistungsschutzrecht