Schon die erste Einstellung des Films zeigt eines der Highlights des Films: die Wüste. Der Wind weht über die Dünen und ist sind, fast verloren, ein paar Personen auf Dromedaren zu sehen. Der Zoom entfernt sich und am Ende ist die kleine Gruppe nicht mehr zu sehen. Es sind wunderschöne Bilder, die sich durch diesen Film ziehen.

Danach kommt ein Schnitt in ein dunkles Zimmer irgendwo im britischen Empire und mehrere Herren streiten sich darum wie das arabische reich aufgeteilt werden soll unter den europäischen Nationen. Dabei sind T.E. Lawrence (Robert Pattison), der auch als Lawrence von Arabien bekannt geworden ist, und zwei andere Herren, die anfangen sich über eine Frau Gertrude Bell zu streiten, die viele Informationen zur Situation in Arabien beitragen konnte. Die drei Herren tauchen im weiteren Film nochmals auf als Unterstützer und Gegner von Gertrude Bell.

Erst in der dritten Szene kommt die Heldin dieses Films zu Wort: Gertrude Bell, gespielt von Nicole Kidman. Sie ist auf dem Anwesen ihrer Eltern, die adlig oder sehr wohlhabend sind. An diesem Abend kommen viele junge Herren und sie soll mit einem von diesen verheiratet werden. Damit das klappt, soll sie sich zurück halten und nicht ihre Intelligenz zeigen. Die Männer sind ihr verfallen, aber sie zeigt kein Interesse und auf Bitten von ihr darf sie verreisen an das Konsulat in Teheran.

Dort lernt sie Henry Cardogan (James Franco) kennen und sie werden ein paar. Jedoch erlaubt ihr Vater die Vereinigung nicht und so kommt es nicht zur Hochzeit. Henry nimmt sich das Leben und Gertrude flüchtet auf Expedition in die Wüste.

Am drehbuch stört mich, dass das erste Auftreten von Gertrude suggeriert, dass sie eine unabhängige Frau sein will und sich selbst verwirklichen will. Als sie in Teheran ankommt, verliebt sie sich dann doch allzu schnell in Henry. Auch eine weitere Liebschaft wird nicht gut herausgearbeitet, denn der Verehrer macht ihr andauert nur Geschenken, scheint aber nicht so am Intellekt von Gertrude interessiert zu sein. Auch das Verhalten der Männer, der sie begegnet, die fast ausnahmslos ihr sofort verfallen ist, erscheint mir seltsam. Jedoch ist das vielleicht nachvollziehbar, weil sie sich sehr oft in kreisen bewegt (Beduinen, Drozen), in denen sie fast nur Männern begegnet.

Der Bogen zu Lawrence, der immer wieder kurz auftaucht empfinde ich sehr passend. Der Film ist dadurch klar als Kontrapunkt zu dem Film Lawrence von Arabien zu sehen, in dem nicht eine Frau eine Sprechrolle hat. Der Film zeigt die Geschichte einer Frau, die in dieser männerdominierten Umgebung durchsetzt und dabei auch ihren weiblichen Charme benutzt. Dabei basiert es auf der realen Geschichte der Gertrude Bell, was noch mehr überrascht.

Am Ende ist es ein Film, der Lust auf Reisen und das Entdecken anderer Kulturen macht und ganz besonders auf die Wüste. Die Geschichte wird nicht episch erzählt und bleibt immer sehr persönlich auf der Ebene von Gertrude ohne in eine abstrakte Ebene zu springen. 7 / 10

2015, USA; Regie: Werner Herzog; Mit: Nicole Kidman, James Franco, Robert Pattison

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